Heiliger Gral oder verbotene Frucht? Martin Fröhler will den dezentralen privaten Dollar bauen

von onchainaustria.at

Dis­clai­mer: Die Arti­kel von onchain­aus­tria die­nen aus­schließ­lich Bil­dungs- und Infor­ma­ti­ons­zwe­cken. Alle Ana­ly­sen, tech­ni­schen Ein­bli­cke oder Dar­stel­lun­gen zu Kryp­to-Pro­to­kol­len und ‑Tech­no­lo­gien sind rein infor­ma­tiv und stel­len keine Finanz­be­ra­tung, Anla­ge­emp­feh­lung oder Preis­pro­gno­se dar. Unse­re Inhal­te spie­geln ledig­lich unse­re Sicht­wei­se auf tech­ni­sche Aspek­te wider und soll­ten nicht als offi­zi­el­le Finanz­be­ra­tung ver­stan­den wer­den. Keine Haf­tung für finan­zi­el­le Entscheidungen.

Auf der dies­jäh­ri­gen Vien­na Block­chain Week wohn­te ich einem Panel bei, in dem es wie­der ein­mal um MiCAR und die Frage ging, wel­che Vor- und Nach­tei­le die euro­päi­sche Kryp­to-Regu­lie­rung für die Bran­che bringt. Es war eines die­ser Panels, wie man sie inzwi­schen auf fast jeder Kryp­to-Kon­fe­renz sieht: Ban­ker, Anwäl­te, Con­sul­tants — wenig Buil­der, kaum noch Nerds.

Alles wich­tig. Alles legi­tim. Aber manch­mal fühlt es sich so an, als wäre die Kryp­to-Welt mitt­ler­wei­le von Suits über­nom­men wor­den. Als wäre das große Nar­ra­tiv nicht mehr Dezen­tra­li­sie­rung, Per­mis­si­on­less­ness und finan­zi­el­le Selbst­be­stim­mung, son­dern: „End­lich sind wir regu­liert — jetzt dür­fen wir etwas machen.

Genau in die­sem Umfeld fiel mir Mar­tin Fröh­ler auf.

Seri­al-Entre­pre­neur: DI. Mar­tin Fröhler

Nicht, weil er laut war. Son­dern weil er mit schar­fer Elo­quenz einen Gedan­ken for­mu­lier­te, den man auf sol­chen Panels inzwi­schen viel zu sel­ten hört: Dass echte DeFi-Pro­to­kol­le von die­ser Art Regu­lie­rung im Kern gar nicht berührt wer­den soll­ten. Weil es dort kei­nen zen­tra­len Anbie­ter gibt, den man regu­lie­ren kann. Und dass Regu­lie­rung, so gut sie gemeint sein mag, sehr oft vor allem eines macht: Inno­va­ti­on verlangsamen.

Wo kein Issuer, kein CEO und keine Free­ze-Funk­ti­on exis­tie­ren, läuft klas­si­sche Regu­lie­rung ins Leere. Genau das war doch die Idee von DeFi.“ M.F.

In einer Bran­che, die immer stär­ker nach Ban­ken­lo­gik klingt, war das ein ange­nehm alter, fast schon ver­ges­se­ner Cypher­punk-Gedan­ke. Einer die­ser Momen­te, in denen man sich daran erin­nert, warum viele von uns Block­chain ursprüng­lich span­nend fanden.

Des­halb woll­te ich mit Mar­tin Fröh­ler sprechen.

Der rote Faden: Dezentralisierung

Fröh­lers Weg in Kryp­to beginnt nicht mit Meme-Coins, Tra­ding-Grup­pen oder einem schnel­len Bull­run-Gewinn, son­dern in der Finanz­ma­the­ma­tik. Er stu­dier­te Wirt­schafts­ma­the­ma­tik an der TU Wien, arbei­te­te als Quant und ent­wi­ckel­te Tra­ding-Algo­rith­men für insti­tu­tio­nel­le Märkte.

Schon vor Bit­co­in beschäf­tig­te ihn eine Frage, die im Kern sehr kryp­to-nah ist: Warum ist der Zugang zu Kapi­tal, Märk­ten und pro­fes­sio­nel­ler Finanz­in­fra­struk­tur so stark zentralisiert?

Sein ers­tes Start­up im Sili­con Val­ley war des­halb eine Art dezen­tra­ler quan­ti­ta­ti­ver Hedge­fonds. Die Idee: talen­tier­te Quants auf der gan­zen Welt soll­ten Tra­ding-Sys­te­me ent­wi­ckeln kön­nen, ohne selbst insti­tu­tio­nel­le Kon­tak­te, große Tickets oder Zugang zu Hedge­fonds-Kapi­tal zu haben. Wenn ein Sys­tem funk­tio­nier­te, konn­te es mit Inves­to­ren­geld ver­bun­den werden.

Ich habe gese­hen, dass sehr viele gute Leute nie eine Chan­ce bekom­men. Nicht, weil sie nicht talen­tiert sind, son­dern weil die Struk­tur des Finanz­sys­tems sie gar nicht erst hin­ein­lässt.“ M.F.

Das war noch kein Kryp­to-Pro­jekt. Aber der Gedan­ke war bereits der­sel­be: Zugang öff­nen, Mit­tels­män­ner redu­zie­ren, Talent und Kapi­tal direk­ter verbinden.

Im Sili­con Val­ley kam Fröh­ler dann mit Bit­co­in in Berüh­rung. Zunächst kauf­te er nur einen Bit­co­in „just for fun“. Weni­ge Wochen spä­ter hatte sich der Preis verdoppelt.

Da dach­te ich mir: Okay, you have my atten­ti­on.“ M.F.

Wirk­lich über­zeugt hat ihn aber nicht der Kurs, son­dern das Whitepaper.

Da habe ich ver­stan­den, dass Bit­co­in nicht nur ein Asset ist. Es war die Idee, Mit­tels­män­ner auf Pro­to­koll­ebe­ne aus dem Finanz­sys­tem zu ent­fer­nen — und die­ses Sys­tem für jeden frei zugäng­lich zu machen.“ M.F.

Die­ser Gedan­ke zieht sich bis heute durch seine Pro­jek­te. Zuerst die Dezen­tra­li­sie­rung des Zugangs von Quants zu Kapi­tal (Qua­ti­acs). Dann Mor­pher, eine per­mis­si­on­less Tra­ding-Platt­form, auf der theo­re­tisch jeder Markt han­del­bar wird, sobald es einen brauch­ba­ren Preis­feed gibt. Und jetzt UPD (Uni­ver­sal Private/Permissionless Dol­lar), ein dezen­tra­ler Sta­b­le­co­in, der nicht von einem zen­tra­len Issuer abhän­gen soll.

Man könn­te sagen: Fröh­ler arbei­tet seit Jah­ren an ver­schie­de­nen Ver­sio­nen der­sel­ben Idee. Finanz­märk­te sol­len offe­ner, direk­ter und weni­ger abhän­gig von zen­tra­len Gate­kee­pern werden.

Für mich war Kryp­to immer die Idee, jedem auf der Welt die glei­che Chan­ce zu geben. Nicht allen das glei­che Ergeb­nis, aber den glei­chen Mög­lich­kei­ten.“ M.F.

Genau hier liegt auch seine Nähe zur Cypher­punk-Idee. Jeder soll teil­neh­men kön­nen. Jeder soll Zugang bekom­men. Aber was jemand dar­aus macht, bleibt offen.

Was von Krypto verloren ging

Gera­de des­halb sieht Fröh­ler die heu­ti­ge Ent­wick­lung kri­tisch. Die Bran­che sei in vie­len Berei­chen weit vom ursprüng­li­chen Spi­rit entfernt.

2017 bis 2019 woll­ten viele in Kryp­to wirk­lich die Welt ver­bes­sern. Heute geht es im Retail-Bereich oft nur noch um Meme-Coins & das Tra­ding-Casi­no“ M.F.

Fröh­ler sagt das nicht aus Nost­al­gie. Er ist kein Roman­ti­ker, der jede ICO-Idee von 2017 ver­klärt. Aber er sieht einen Unter­schied zwi­schen wil­den Expe­ri­men­ten mit ech­ter Visi­on und einer Bran­che, die sich in Hunde‑, Frosch- und Tages­nar­ra­ti­ven verliert.

Der letz­te große Moment, den er wirk­lich posi­tiv sieht, war DeFi-Sum­mer. Damals habe man erst­mals gese­hen, dass man zen­tra­le Finanz­lo­gik tat­säch­lich auf offe­ne, trans­pa­ren­te und per­mis­si­on­less Schie­nen brin­gen kann.

DeFi war für mich eine echte Revo­lu­ti­on. Offe­ner Code, klare Regeln, jeder kann teil­neh­men. Genau das war Kryp­to.“ M.F.

Morpher: Jeder Markt als virtueller Markt

2018 grün­de­te Fröh­ler Mor­pher, sein ers­tes Kryp­to-Start­up. Die Idee war ambi­tio­niert: Ein welt­wei­ter Bro­ker, der Märk­te auf der Block­chain virtualisiert.

Nut­zer konn­ten mit dem Mor­pher-Token (MHP) auf die Preis­ent­wick­lung von Akti­en, Roh­stof­fen, Wäh­run­gen oder Krypto­währungen set­zen. Es ging nicht darum, die echte Apple-Aktie oder einen Gold-Future zu kau­fen. Statt­des­sen wurde die Preis­be­we­gung über Smart Con­tracts nachgebildet.

„Wenn Apple zehn Pro­zent steigt, bekommst du zehn Pro­zent mehr Token. Wenn Apple zehn Pro­zent fällt, bekommst du ent­spre­chend weni­ger. Nie­mand muss auf der ande­ren Seite des Trades ste­hen.“ M.F.

Das war ele­gant, aber auch kom­plex. Denn der Mor­pher-Token selbst war vola­til. Nut­zer hat­ten also nicht nur das Risi­ko ihrer Tra­ding-Posi­ti­on, son­dern zusätz­lich das Risi­ko des Settlement-Tokens.

Fröh­ler sieht das rück­bli­ckend als einen der Grün­de, warum Mor­pher nicht die kri­ti­sche Masse erreicht hat.

„Viel­leicht war es für den nor­ma­len Trader zu kom­plex. Wenn du Dol­lar ein­zahlst, willst du am Ende wie­der in Dol­lar den­ken. Bei Mor­pher war es eher wie bei einer japa­ni­schen Aktie: Du hast nicht nur das Risi­ko der Aktie selbst, son­dern zusätz­lich das Wäh­rungs­ri­si­ko. Nur war diese Fremd­wäh­rung eben der Mor­pher-Token.“ M.F.

Mor­pher wird als zen­tral betrie­be­nes Front­end aktu­ell gera­de ein­ge­stellt. Das Pro­to­koll selbst bleibt auf der Block­chain bestehen. Ob die Com­mu­ni­ty das Ora­cle oder ein neues Front­end über­nimmt, wird sich zeigen.

Am Weg zu UPD: Warum UST/LUNA scheitern musste

Im Gespräch kom­men wir auch auf Terra Luna und UST — also auf jenen dezen­tra­len Sta­b­le­co­in, der eine Zeit lang tat­säch­lich funk­tio­nier­te, rele­van­te Markt­durch­drin­gung erreich­te und für viele als Beweis galt, dass ein algo­rith­mi­scher Sta­b­le­co­in mög­lich ist — bevor er uns dann allen um die Ohren flog. Für Fröh­ler war der zen­tra­le Feh­ler jedoch von Anfang an eingebaut.

„Das Pro­blem war, dass ein fixes Asset durch ein vola­ti­les Asset sta­bi­li­siert wurde — und die Menge die­ses vola­ti­len Assets nicht kon­stant war.“ M.F.

Solan­ge Ver­trau­en besteht, kann so ein Sys­tem funk­tio­nie­ren. Wenn aber der vola­ti­le Token fällt und immer mehr davon gem­in­tet wer­den muss, um den Peg zu hal­ten, ent­steht eine Todesspirale.

„Es war keine Frage, ob das Sys­tem bricht, son­dern wann.“ M.F.

Dass große Markt­teil­neh­mer beim Zusam­men­bruch nach­ge­hol­fen haben könn­ten, hält Fröh­ler durch­aus für plau­si­bel. Ent­schei­dend ist für ihn aber nicht, ob UST aktiv ange­grif­fen wurde, son­dern dass die Archi­tek­tur über­haupt angreif­bar war.

“Wer den rich­ti­gen Moment erwischt, den Peg unter Druck bringt und gleich­zei­tig Short-Posi­tio­nen auf­baut, kann am Kol­laps ver­die­nen.” M.F.

Auch die These, UST hätte nur eine kri­ti­sche Größe errei­chen müs­sen, um unan­greif­bar zu wer­den, über­zeugt ihn nicht. Aus sei­ner Sicht wäre das Sys­tem auch bei deut­lich grö­ße­rer Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung ver­wund­bar geblie­ben, weil ein Angrei­fer nicht nur Kos­ten hat, son­dern durch den Kol­laps selbst pro­fi­tie­ren kann.

Genau darin unter­schei­det sich UST für Fröh­ler von Proof-of-Stake-Sys­te­men wie Ethe­re­um. Dort würde ein Angrei­fer beim Angriff sein eige­nes Kapi­tal mas­siv ent­wer­ten. Bei UST konn­te der Angriff selbst pro­fi­ta­bel sein.

Stablecoins: Das Killerprodukt mit falscher Architektur

Für Fröh­ler sind Sta­b­le­co­ins die wich­tigs­te Anwen­dung von Block­chain. Nicht NFTs, nicht Meme-Coins, nicht kom­pli­zier­te DeFi-Kon­struk­te. Sta­b­le­co­ins lösen ein ech­tes Pro­blem: Men­schen in Län­dern mit schwa­chen Wäh­run­gen kön­nen Dol­lar hal­ten, Geld ver­sen­den und sich teil­wei­se aus loka­len Wäh­rungs­sys­te­men befreien.

„Sta­b­le­co­ins sind die Kil­ler-Appli­ka­ti­on von Block­chain, weil sie bei Men­schen ange­kom­men sind, die nicht unbe­dingt kryp­ton­a­tiv sind.“ M.F.

Aber genau die­ses Kil­ler­pro­dukt ist aus sei­ner Sicht heute falsch gebaut. USDT und USDC funk­tio­nie­ren wie­der über zen­tra­le Issuer (Tether & Cir­cle): Eine Firma nimmt Geld ent­ge­gen und gibt dafür Token aus.

„Im Prin­zip ist es noch ein Mit­tels­mann mehr.“ M.F.

Damit ver­bin­den zen­tra­li­sier­te Sta­b­le­co­ins für Fröh­ler das Schlech­tes­te aus bei­den Wel­ten: Sie sind kon­trol­lier­bar wie ein Bank­kon­to, aber trans­pa­rent wie eine öffent­li­che Block­chain. Der Issuer kann Token ein­frie­ren, wäh­rend gleich­zei­tig jeder, der eine Adres­se zuord­nen kann, Kon­to­stand und Trans­ak­ti­ons­his­to­rie sieht.

„Sta­b­le­co­ins sind eigent­lich schlech­ter als ein Bank­kon­to: Dort weiß deine Bank Bescheid, aber nicht die ganze Welt. Auf der Block­chain ist alles sicht­bar — und trotz­dem kann der Issuer dich sper­ren. Es ist nur ein IOU von einer zen­tra­li­sier­ten Firma.“ M.F.

Genau hier setzt sein neues Pro­jekt an.

UPD: Ein privater, dezentraler Dollar

Fröh­ler arbei­tet heute an UPD, dem Uni­ver­sal Pri­va­te Dol­lar. Die Idee: ein Sta­b­le­co­in, der nicht von einem zen­tra­len Her­aus­ge­ber emit­tiert und kon­trol­liert wird, son­dern per­mis­si­on­less über einen Smart Con­tract entsteht.

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UPD: Uni­ver­sal Private/Permissionless Dollar

Wer UPD min­ten will, schickt Col­la­te­ral in einen Smart Con­tract. Die­ses Col­la­te­ral wird in sta­ked ETH (Lido stETH) umge­wan­delt (über DEX Rou­ter). Der ent­spre­chen­de Dol­lar­wert wird als UPD aus­ge­ge­ben (Keine Fees).

Das Pro­blem: ETH ist vola­til. Des­halb braucht das Sys­tem eine zwei­te Rolle: die Sta­bi­li­zer.

Auch diese Rolle ist per­mis­si­on­less zugäng­lich. Mög­lichst viele Akteu­re sol­len Sta­bi­li­zer wer­den kön­nen, weil es ein lukra­ti­ves Geschäft ist — incen­ti­vier­te Dezentralität.

Sta­bi­li­zer sichern das ETH-Expo­sure ab. Sie legen eige­nes Kapi­tal als Over­col­la­te­ral ein und eröff­nen zusätz­lich Short-Posi­tio­nen auf ETH. Dadurch ent­steht eine delta-neu­tra­le Struktur.

„Der Nut­zer will einen sta­bi­len Dol­lar. Der Sta­bi­li­zer stellt eige­nes Kapi­tal bereit, hedgt das ETH-Expo­sure delta-neu­tral und ver­dient dafür Ren­di­te.“ M.F.

Die Sta­bi­li­zer-Ren­di­te ent­steht dabei aus zwei Quel­len: der ETH-Sta­king-Rate auf das Reser­ve-Asset und der Fun­ding Rate auf der Short-Seite. Sta­bi­li­zer ver­die­nen diese Ren­di­te für das Absi­chern des Sys­tems. UPD-Sta­ker kön­nen wie­der­um einen Teil die­ser Ren­di­te erhal­ten, wenn Sta­bi­li­zer sie wei­ter­ge­ben — so wie es Fröh­lers eige­ner Sta­bi­li­zer tun soll.

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Konkurrenz (USDe, DAI & USDS)

Wenn die Grund­idee an Ethe­na erin­nert — also ENA und USDe — ist das kein Zufall. Auch dort geht es um eine delta-neu­tra­le Sta­b­le­co­in-Kon­struk­ti­on. Der Unter­schied ist für Fröh­ler aber zen­tral: Bei Ethe­na über­gibt der Nut­zer seine Assets an einen Issuer, der die Stra­te­gie betreibt (sowohl Long als auch Short). Bei UPD soll der Nut­zer per­mis­si­on­less über einen Smart Con­tract min­ten kön­nen, wäh­rend viele Sta­bi­li­zer mit eige­nem Kapi­tal die Absi­che­rung übernehmen.

Bei Maker/DAI bezie­hungs­wei­se Sky/USDS sieht Fröh­ler ein ande­res Pro­blem: DAI, ursprüng­lich der OG unter den DeFi-Sta­b­le­co­ins , war mit ETH besi­chert, aber ohne Short-Absi­che­rung. Um nicht in eine Ter­ra/Lu­na-arti­ge Spi­ra­le zu lau­fen, wurde das Sys­tem spä­ter stär­ker mit zen­tra­li­sier­ten Assets wie USDC und Real-World-Asset-Struk­tu­ren unterlegt.

„Wenn ein dezen­tra­ler Sta­b­le­co­in am Ende groß­teils durch zen­tra­li­sier­te Assets gedeckt ist, ist er eben nur noch begrenzt dezen­tral.“ M.F.

DAI selbst kann zwar nicht ein­fach auf Nut­zer­ebe­ne ein­ge­fro­ren wer­den; das zen­tra­le Risi­ko liegt eben eher darin, dass Cir­cle USDC im DAI-Con­tract ein­frie­ren könn­te. Beim Rebrand zu Sky und dem neuen Sta­b­le­co­in USDS kommt für Fröh­ler zusätz­lich hinzu, dass Free­zing-Mecha­nis­men wie­der expli­zi­ter mög­lich wer­den — auch wenn die Col­la­te­ral-Struk­tur gleich­zei­tig brei­ter und dezen­tra­ler wurde.

„Bei UPD ist das Nut­zer-Col­la­te­ral nicht ‘on the hook’ für die Ope­ra­ti­on eines zen­tra­len Issuers.“ M.F.

Und ein wei­te­rer ent­schei­den­der Unter­schied: Im UPD-Sys­tem soll es keine zen­tra­le Free­ze-Funk­ti­on geben. Nie­mand soll UPD ein­fach sper­ren können.

Warum Privacy dazugehört

UPD soll nicht nur dezen­tral, son­dern auch pri­vat sein.

Für Fröh­ler ist Pri­va­cy kein Spe­zi­al­fea­ture für Kri­mi­nel­le, son­dern ein Grundrecht.

„Nie­mand würde sein Bank­kon­to live ins Inter­net stel­len. Auf der Block­chain ist aber genau das der Nor­mal­zu­stand.“ M.F.

Wenn jemand eine Adres­se einer Per­son zuord­nen kann, sieht er Trans­ak­ti­ons­his­to­rie, Kon­to­stand und zukünf­ti­ge Zah­lun­gen. Für Pri­vat­per­so­nen ist das unan­ge­nehm. Für Unter­neh­men und Insti­tu­tio­nen ist es oft untragbar.

UPD soll des­halb pri­va­te Trans­ak­tio­nen nativ unter­stüt­zen. Wich­tig ist Fröh­ler dabei: Pri­va­cy bedeu­tet nicht, dass man nichts offen­le­gen kann. Der Nut­zer soll gegen­über Behör­den, Steu­er­be­ra­tern oder Geschäfts­part­nern Nach­wei­se erbrin­gen kön­nen. Aber eben nicht gegen­über der gan­zen Welt.

„Es geht nicht darum, alles zu ver­ste­cken. Es geht darum, dass nicht jeder alles sehen kann.“ M.F.

Das ist ein wich­ti­ger Unter­schied zu rei­nen Mixern. UPD soll Pri­va­cy mit veri­fi­zier­ba­re Nach­voll­zieh­bar­keit für z.B. Offen­le­gun­gen bringen.

“Das ist ein Fea­ture, kein Bug” M.F.

SNARKs, STARKs und institutionelle Privacy

Tech­nisch setzt UPD auf Zero-Knowledge-Technologie.

Für all­täg­li­che Trans­ak­tio­nen kön­nen SNARKs aus­rei­chend sein: Sie sind güns­ti­ger, aber lang­fris­tig nicht quan­tum-sicher. Soll­te diese Kryp­to­gra­fie durch Quan­ten­com­pu­ter gebro­chen wer­den, könn­ten Trans­ak­tio­nen rück­wir­kend offen­ge­legt wer­den. Und wenn eine Insti­tu­ti­on sie­ben­stel­li­ge Beträ­ge bewegt, will sie keine Pri­va­cy, die in zehn Jah­ren rück­wir­kend offen­gel­get wird.“ — M.F.

Für grö­ße­re insti­tu­tio­nel­le Anwen­dun­gen setzt Fröh­ler auf STARKs.

Laut Fröh­ler hat sein Co-Foun­der Tho­mas einen Onchain-STARK-Veri­fier ent­wi­ckelt. Das ist tech­nisch anspruchs­voll und teuer, aber für insti­tu­tio­nel­le Anwen­dun­gen poten­zi­ell entscheidend.

Die Idee ist also zwei­stu­fig: güns­ti­ge Pri­va­cy für nor­ma­le Nut­zung, stär­ke­re Pri­va­cy für große Beträ­ge und Institutionen.

Ethereum als Basis, Layer 2 für Nutzung

UPD soll auf Ethe­re­um star­ten. Min­ting, Bur­ning und Reser­ven blei­ben auf dem Main­net. Für Zah­lun­gen und güns­ti­ge­re Nut­zung kön­nen Layer-2-Lösun­gen ein­ge­setzt werden.

„Die Öko­no­mie und die Sicher­heit kön­nen auf Ethe­re­um blei­ben. Die Nut­zung kann auf Layer 2 statt­fin­den.“ — M.F.

Das ist wich­tig, denn ein Sta­b­le­co­in als Zah­lungs­mit­tel braucht nied­ri­ge Gebüh­ren. Für All­tags­trans­ak­tio­nen sind Main­net-Kos­ten zu hoch. Layer 2 kann hier die Nut­zungs­ebe­ne wer­den, wäh­rend Ethe­re­um die Sett­le­ment- und Reser­ve­ba­sis bleibt.

Bitcoin, Ethereum und der Rest

Am Ende spre­chen wir über den Markt. Fröh­ler ist vor­sich­tig mit Pro­gno­sen. Als Quant hält er wenig von rein dis­kre­tio­nä­ren Meinungen.

„Ich habe dies­mal, wie wahr­schein­lich viele ande­re auch, geglaubt, dass es dies­mal anders wird und der Vier­jah­res­zy­klus bricht. Rück­bli­ckend gibt es bis heute aber kei­nen über­zeu­gen­den Grund, daran zu zwei­feln, dass die­ser Zyklus noch immer gilt. Es könne gut sein, dass der Markt noch nicht durch den fina­len Schmerz gegan­gen ist.“ — M.F. (Juni 2026)

Bei der Frage, wel­che Netz­wer­ke für ihn wirk­lich glaub­haft dezen­tral und per­mis­si­on­less sind, ist er klar.

„Für mich sind das im Moment eigent­lich nur Bit­co­in und Ethereum.“

Sol­a­na sieht er als rele­vant und mit ech­ter Trac­tion, aber nicht auf der­sel­ben Ebene.

„Wenn bei Sol­a­na etwas pas­siert, wer­den inner­halb kür­zes­ter Zeit alle Nodes gepatcht, weil sich die Leute ken­nen. Das kann ein Vor­teil sein. Aber es ist auch ein ande­res Dezen­tra­li­sie­rungs­mo­dell.“ M.F.

Ethe­re­um habe mit Tor­na­do Cash und OFAC bereits einen ech­ten Real-World-Test erlebt und aus sei­ner Sicht weit­ge­hend bestanden.

Fazit: Krypto muss sich erinnern, warum es existiert

Mar­tin Fröh­ler ist kein Nost­al­gi­ker, der ein­fach zurück ins Jahr 2017 will. Er ist Finanz­ma­the­ma­ti­ker, Grün­der und Pro­to­koll­bau­er. Aber gera­de des­halb ist seine Kri­tik an der heu­ti­gen Kryp­to-Welt interessant.

Er sieht klar, dass Sta­b­le­co­ins ein enor­mes pro­duct mar­ket fit haben. Er sieht auch, dass Regu­lie­rung für viele Markt­teil­neh­mer wich­tig ist. Aber er erin­nert daran, dass Kryp­to nicht erfun­den wurde, um das bestehen­de Finanz­sys­tem ein­fach mit Token nachzubauen.

Kryp­to wurde gebaut, um Alter­na­ti­ven zu schaffen.

Per­mis­si­on­less. Zen­sur­re­sis­tent. Offen. Pri­vat. Ohne zen­tra­le Mittelsmänner.

„Wenn wir am Ende wie­der nur Ban­ken­lo­gik auf Block­chains kopie­ren, haben wir das eigent­li­che Ver­spre­chen von Kryp­to ver­fehlt.“ M.F.

UPD ist Fröh­lers Ver­such, die­ses Ver­spre­chen im Bereich Sta­b­le­co­ins neu zu for­mu­lie­ren: ein pri­va­ter, dezen­tra­ler Dol­lar, der nicht von einem zen­tra­len Issuer abhängt, nicht ein­ge­fro­ren wer­den kann und trotz­dem öko­no­misch sta­bil blei­ben soll.

Ob die­ser Ansatz tech­nisch, öko­no­misch und regu­la­to­risch bestehen kann, wird sich zei­gen. Aber in einer Kryp­to-Welt, die manch­mal so wirkt, als hätte sie ihre eige­ne Grün­dungs­idee ver­ges­sen, ist es erfri­schend, jeman­den zu hören, der sie wie­der ernst nimmt.

Nicht als Mar­ke­ting-Slo­gan. Son­dern als Designprinzip.

„Die Idee und der Grün­der haben mich über­zeugt. Ich werde das Pro­jekt jeden­falls tes­ten und wei­ter­ver­fol­gen.“
 Dr. Ste­phan Mauracher