ETH-Treasury Companies: Der neue Preistreiber am Krypto-Markt
Warum Bitcoin-Debatten mit Peter Schiff immer gleich enden — und warum das nicht nötig wäre
Es ist jedes Mal aufs Neue frustrierend: Man hört eine Debatte zwischen dem ewigen Bitcoin-Hater Peter Schiff und einer unserer Krypto-Galionsfiguren — diesmal CZ von Binance — und wird erneut enttäuscht. Schiff gewinnt. Wieder. Nicht, weil seine Argumente besonders solide wären, sondern weil er über Jahre ein Arsenal an rhetorisch geschärften, perfekt einstudierten wirkungsvollen Argumentationsphasen entwickelt hat. Er spricht in langen Monologen und nutzt Humor, um Sympathie zu erzeugen — und lässt sein Gegenüber selten zu einer sauberen, strukturierten Antwort kommen.

Andere sind daran bereits gescheitert: Ran Neuner, Jack Mallers, Erik Voorhees, Richard Heart, sie alle wirkten unvorbereitet und schwach in ihrer Argumentation, obwohl Schiff seit über zehn Jahren die exakt gleiche Debatte führt: Gold vs. Bitcoin.
Dabei wäre es erstaunlich einfach, seine Argumente systematisch zu widerlegen — wenn man sich gründlich vorbereiten würde, wenn man Bitcoin nicht isoliert betrachtet, sondern andere Kryptowährungen einbezieht, die viele der Bitcoin-Schwächen ausgleichen, und wenn man vor allem Schiffs Hauptargument — den angeblich fehlenden „intrinsischen Wert“ — endgültig und unmissverständlich adressiert.
Fangen wir also einmal sauber an.
Gold vs. Bitcoin: physikalische und monetäre Grundlagen
Es gibt tatsächlich viele Ähnlichkeiten. Der Begriff „digitales Gold“ ist treffend.
Gold ist begrenzt, Bitcoin ist begrenzt. Goldinflation entsteht durch Mining — variabel, aber langfristig historisch stabil. Bitcoininflation ist mathematisch exakt vorhersehbar und entsteht ebenfalls durch “Mining”.
Wenn überhaupt, hat Bitcoin hier einen leichten Vorteil:
Gold könnte durch neue Vorkommen (realistisch) — oder theoretisch durch Asteroidenbergbau (absurd) — plötzlich stärker inflationieren. Bitcoin nicht.
Die Förderung ist bei beiden teuer: Gold verlangt Energie, Material, Maschinen und menschliche Arbeit. Bitcoin verlangt Hardware und Energie. Beides ist ökologisch angreifbar.
Ethereum und andere PoS-Systeme haben dieses Problem grundsätzlich nicht, ihre Erstellung wird nicht durch Energieverbrauch erzeugt.
Schiff bringt oft das Teilbarkeitsargument: Bitcoin sei nicht wirklich knapp, da er in 100 Millionen Satoshis teilbar sei. Das sei eine Illusion von Knappheit. Dieses Argument ist fachlich falsch.
Wenn Teilbarkeit Knappheit aufheben würde, müsste auch Gold wertlos sein — denn Gold lässt sich bis auf atomare Ebene teilen. Und davon existieren um viele viele Größenordnungen mehr Einheiten als Satoshis. Das Unit-Bias-Argument wird in Debatten von der Kryptoseite erstaunlich selten korrekt kontert.
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Was Debattanten ebenso selten tun, ist ehrlich beide Seiten zu betrachten. Wenn man Gold zukünftige Inflationssprünge durch neue Vorkommen anrechnet, muss man bei Bitcoin fairerweise das Security-Budget-Problem erwähnen: Langfristig könnte eine Anpassung der Inflation durch Hardfork nötig werden. Das ist kein Weltuntergang — aber es ist eine reale systemische Variable.
Ethereum wiederum ist in dieser Hinsicht flexibler: höhers Einkommen durch Nutzung, andere Inflationsmodelle, potenzielle Deflation, Anpassungsfähigkeit.
Sicherheit: Naturgesetze vs. Netzwerksicherheit
Schiff behauptet regelmäßig, Gold könne nicht „schlecht werden“. Es korrodiere nicht, sei inert, unzerstörbar und könne nicht künstlich hergestellt werden. Das stimmt weitgehend, ist aber kein absolut perfektes Sicherheitsargument.
Denn auch Gold hat theoretische Edge-Cases:
- Es lässt sich chemisch lösen (Königswasser 3 x HCl + 1x HNO3) und existiert als Legierungen.
- Gold entsteht durch stellarphysikalische Prozesse, die wir heute nicht reproduzieren können — aber nicht notwendigerweise für immer ausgeschlossen.
Naturgesetze sind eindeutig und zuverlässig — aber ihr Geltungsbereich schließt auch Randphänomene mit ein.
Die Sicherheit von Bitcoin entsteht durch das Netzwerk selbst:
Proof of Work, ökonomische Anreize, Hashpower, Dezentralität. Seit 15 Jahren läuft das System stabil. Eine 51%-Attacke ist ökonomisch und spieltheoretisch nahezu ausgeschlossen.
Aber Bitcoin ist nicht perfekt: Es gab zwei Inflationsbugs. Niemand kann garantieren, dass nicht weitere auftreten. Quantencomputer sind ein reales Risiko in mittlerer bis ferner Zukunft.
Gold liegt in puncto Sicherheit knapp vorne — aber nur marginal.
Moderne Chains wie Ethereum punkten mit technischer Weiterentwickelbarkeit und fortschrittlicher Kryptografie, zeigen aber (noch) eine geringere ökonomische Resilienz.
Das differenzierte Bild sieht man in Debatten so gut wie nie.
Kosten der Verwahrung: Vorteil Krypto
Goldbesitz kostet Geld: 0,25 bis 1 % jährlich für Lagerung in Vaults, Tresore, Versicherungen, Diebstahlrisiken und logistische Aufwände. Selbst die private Aufbewahrung ist teuer und riskant.
Bitcoin kostet in der Verwahrung praktisch nichts.
Zwölf Wörter im Kopf reichen. Es gibt kein Transportproblem, keine physischen Risiken, keine laufenden Gebühren.
Man kann argumentieren, dass Bitcoin laufende Kosten hat, weil Miner und Nodes finanziert werden müssen. Diese Kosten entstehen durch Inflation und Transaktionsgebühren. Aber genau diese Infrastruktur erzeugt einen Nutzen, den Gold niemals bieten kann: digitale globale Übertragbarkeit ohne Mittelsmann.
Nutzen: der unterschätzte Kern der Debatte
Hier liegt einer der größten Unterschiede — und der am wenigsten sauber debattierte.
Bitcoin lässt sich leicht speichern und extrem günstig übertragen. In Bezug auf Teilbarkeit, Logistik und Transaktionsfähigkeit ist Bitcoin Gold weit überlegen.
Gold ist physisch — und als Transaktionsmittel nahezu unbrauchbar.
Münzen oder kleine Barren sind unhandlich und zu wertvoll für Kleingeschäfte.
Schiff argumentiert häufig, Bitcoin sei zu teuer und zu langsam, um als Zahlungsnetzwerk zu dienen. Und ja: Für den Bitcoin Layer 1 stimmt das.
Aber:
- Ethereum hat dieses Problem weitgehend mit Layer-2-Systeme gelöst — Transaktionen extrem günstig und schnell. Auch andere L1 sind schnell und günstig.
- Stablecoins werden heute bereits massenhaft genutzt und laufen auf Blockchains.
Die technischen Hürden sind praktisch überwunden. Schiff erkennt das zunehmend und bringt als Antwort tokenisiertes Gold ins Spiel: Gold, aber in digitaler, handelbarer Form. Er promotet sogar schon seine eigene variante von tGold (Schiff Gold).
Tokeniertes Gold ist gut und nützlich, doch das entscheidende Gegenargument lautet:
Tokenisiertes Gold braucht IMMER Vertrauen.
Jemand muss das Gold lagern. Jemand muss den Token issuen. Jemand muss ehrlich sein.
Kurz gesagt: Trust me, Bro!
Damit wird exakt das Problem wieder eingeführt, das Bitcoin und Ethereum gelöst haben: der Mittelsmann.
Genau dagegen argumentiert Schiff ja sonst immer: gegen Zentralbanken, gegen das Vertrauen in Dritte — gegen den Missbrauch unseres Finanzsystems durch staatliche Eingriffe und Notenbanken.
Würden wir stattdessen alle auf tokenisiertes Gold als Zahlungsmittel setzen, würden wir uns erneut einer kontrollierenden Instanz unterwerfen: dem Verwalter des Goldes und Issuer und Contract Owner des Tokens — also genau jenem zentralen Hegemon, den Schiff eigentlich ablehnt.
Es ist unfassbar, wie selten dieser Punkt in Debatten klar und scharf formuliert wird — obwohl er das absolute Hauptargument gegen tokenisiertes Gold ist.
Moneyness: Unit of Account, Medium of Exchange, Store of Value
Unit of Account
Keiner der Kandidaten — Gold, Bitcoin, Ethereum — ist heute Rechnungseinheit zur Bepreisung. NFTs gepreist in ETH sind hier eine Ausnahme. Aber abgesehen davon ist das kein inhaltliches Argument gegen ihre Tauglichkeit, nur der aktuelle Stand der Adoption.
Medium of Exchange
Schiff sagt: „Kein Händler akzeptiert Bitcoin. Vor 10 Jahren waren es sogar mehr als heute.“
Das stimmt — aber nicht, weil Bitcoin oder Krypto grundsätzlich untauglich wären, sondern wegen technischer und rechtlicher Hürden:
- Bitcoin müsste als Zahlungsmittel entweder auf einer anderen Chain als Asset laufen oder seine eigene L2-Infrastruktur (wie das Lightning Network) massentauglich machen.
- Andere Kryptos wie Ethereum bringen diese technischen Voraussetzungen längst mit — moderne Wallets verbessern die UX massiv, und die Stablecoin-Adoption öffnet gerade die Tür zum Massenmarkt.
Von einer Zahlung mit Stablecoins bis zur Annahme von ETH oder Wrapped BTC ist es nur noch ein kleiner Schritt — rein technisch bereits lösbar.
Recht & Steuern als Bremsklotz
Die größten Hürden sind derzeit steuerlicher und buchhalterischer Natur.
- In vielen Ländern wird jede Krypto-Zahlung wie ein steuerpflichtiger Vermögensverkauf behandelt.
- Das macht die Nutzung im Alltag aufwendig — nicht wegen mangelnder Funktionalität, sondern wegen überholter Regulierung.
Aber: In Ländern wie den USA zeichnet sich bereits ein regulatorischer Wandel ab, der genau diese Hürde abbauen soll.
Sobald diese Rahmenbedingungen fallen, wird Krypto (nicht nur Bitcoin) zu einem echten Zahlungsmittel.
🪙 Und Gold?
Gold könnte als Zahlungsmittel nur in tokenisierter Form mithalten –
doch damit ist es automatisch wieder zentralisiert.
Ein Widerspruch zu allem, wofür Schiff angeblich steht.
Store of Value — Schiffs Hauptargument
Peter Schiff behauptet, Bitcoin könne kein Wertspeicher sein, weil es keinen intrinsischen Wert habe.
Gold hingegen habe industriellen Nutzen, Schmuckfunktion und Tradition.
Aber die Realität sieht anders aus:
- Rund 75 % der weltweiten Goldnachfrage dient rein dem Wertspeicher.
- Die industrielle Nachfrage erzeugt nur einen Floorpreis von etwa 20–30 % des heutigen Goldpreises.
➡️ Gold ist also ebenfalls ein Glaubenssystem — nur ein älteres.
Ja, Bitcoin ist ein Glaubenssystem — eines, das von einer weltweit wachsenden Community getragen wird.
Diese Community hat kollektiv entschieden, dass Bitcoin ein Wertspeicher ist — und genau dadurch ist er einer geworden.
So wie Fiatgeld durch staatliche Macht gestützt wird, stützt sich Bitcoin auf Netzwerkvertrauen.
Seit über 15 Jahren wird BTC weltweit als Wertspeicher genutzt.
- Ja, es ist vertrauensbasiert.
- Ja, es könnte theoretisch fallen.
- Aber das gilt für Gold genauso — nur mit einem Bodenpreis (Industrienutzung) und nicht null wie bei Bitcoin.
Ethereum: Funktionaler Wertspeicher
Ethereum geht noch weiter: ETH hat realen funktionalen Nutzen — u.a. als: Basis für Stablecoins, Infrastruktur für DeFi, Plattform für Tokenisierung, NFTs und dApps, Settlement– und Sicherheitslayer im globalen Kontext.
“Ethereum ist nicht nur ein Glaubensspeicher, sondern der Treibstoff eines digitalen Netzwerks — ein echtes “Property Rights System”.
Das ist intrinsischer Wert, nur eben in digitaler Form.”
Das vergessene Argument: Die Moralfrage
Ein Punkt, der nie kommt — aber kommen sollte — ist die moralische Frage:
Wäre es nicht besser, die Welt einigt sich auf einen Wertspeicher wie Bitcoin — der kaum eine andere Funktion hat, außer genau das zu sein?
Denn: Viele reale Werte (z. B. Immobilien, Gold oder andere Rohstoffe) werden als Spekulationsobjekte und Wertspeicher missbraucht, anstatt genutzt zu werden. Sie liegen ungenutzt brach, treiben das Angebot nach unten und die die Preise hoch, machen echte Nutzung für viele unleistbar — und schaden damit der Gesellschaft.
Bitcoin hingegen erfüllt genau eine Funktion: Wertspeicherung.
Es verdrängt keine reale Nutzung, es liegt niemandem im Weg, es blockiert kein Grundstück, keine Rohstoffe, keine Mieten.
Abgesehen vom Energieverbrauch ist Bitcoin daher — moralisch gesehen — ein idealer Wertspeicher. Hmn, geht das nicht auch ohne Energieverbrauch? Ach ja, Ethereum ist PoS, 99,9 % energieeffizienter. Aber ETH hat aber doch ebne Nutzen. Der Unterschied: Ethereum skaliert mittlerweile über L2s — heißt: selbst wenn ETH durch Wertspeicher-Nachfrage im Preis steigt, wird der Nutzen nicht teurer und verdrängt.
Das eigentliche Problem: Schiff wird nie vollständig widerlegt
Die Kryptoseite verliert Debatten nicht, weil Schiff recht hätte,
sondern weil sie nicht vollständig argumentiert.
Sie spricht nur über Bitcoin, obwohl Ethereum viele Probleme löst. Sie unterscheidet nicht sauber zwischen physischem und finanziellem Nutzen. Sie weist nicht klar genug darauf hin, dass tokenisiertes Gold nie dezentral sein kann. Sie erwähnt Edge-Cases nicht, die Schiffs Logik entkräften würden. Sie lässt sich in rhetorische Fallen drücken, die Schiff seit Jahren perfektioniert hat.
Eine vollständig vorbereitete Debatte würde Schiff argumentativ überrollen.
Wenn man den Blick über Bitcoin hinaus auf Ethereum und das gesamte Kryptosystem erweitert, bricht Schiffs Argumentation Stück für Stück in sich zusammen.
Gold bleibt wertvoll — aber seine Rolle ist nicht unantastbar und es geht besser in vielerlei Hinsicht.
Echtes Krypto ist global, programmierbar, frei zugänglich, immer live, flexibel, schneller, billiger — und vor allem: mittelsmannfrei.
Alles, was Schiff an Zentralbanken, Staaten und institutioneller Kontrolle kritisiert, wird durch Kryptowährungen gelöst, nicht durch Gold, und schon gar nicht durch tokenisiertes Gold.
Am Ende ist die Debatte längst entschieden.
Sie wurde nur noch nie richtig geführt.
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