Österreichs erster tokenisierter Verein: Wie onchainaustria Vereinsrecht und Blockchain verbindet

Die Geburt einer neuen Organisationsform
Dezentrale Autonome Organisationen (DAOs) werden oft als zukunftsweisende Organisationsform angesehen. Zahlreiche Web3-Projekte und Blockchains nutzen Token, um Inhabern Stimmrechte für eingereichte Vorschläge zu verleihen. Es handelt sich um ein Entscheidungsfindungsmodell, das dem Prinzip von Aktiengesellschaften und Hauptversammlungen ähnelt — jedoch auf der Blockchain, mit all ihren Vorteilen wie freiem Zugang, freiem Handel und Dezentralität.
Tokenhalter, also gewissermaßen “Shareholder” der DAO, entscheiden also darüber, was die zuständige Organisation umsetzen soll. Bei klassischen Aktien ist das eine Firma, bei den meisten DAOs ist es eine Kombination aus einer Non-Profit-Organisation in z.B. der Schweiz und einer For-Profit-Entität in Delaware oder anderen rechtlich offenen Jurisdiktionen.

Doch in der rechtlichen Realität Europas stoßen solche Modelle oft an Grenzen. Mit onchainaustria haben wir versucht, diese Lücke zu überbrücken — und sind nun der erste Verein in Österreich, der direkt durch eine DAO kontrolliert wird. Eine rechtliche und technische Pionierleistung.
Das Besondere: Eine DAO mit juristischer Person verknüpft
onchainaustria ist nicht nur eine klassische Web3-Community, sondern eine juristisch eingetragene Organisation nach österreichischem Vereinsrecht. Gleichzeitig wird er aber dezentral gesteuert: Die Kontrolle liegt bei den Tokenhalter— konkret beim Governance-Token OCA.

Zwei Welten, zwei Hürden
Der Weg war nicht einfach. Wir mussten zwei grundsätzliche Inkompatibilitäten überwinden:
- Mitgliedschaft vs. Shareholding: Ein Verein funktioniert über Mitgliedschaft (eine Person — ein Mitgliedschaft), eine DAO über Tokenbeteiligung (eine Person — beliebige Anzahl an Token).
- KYC-Pflicht vs. Pseudonymität: Vereine müssen ihre Mitglieder kennen, Tokenhalter auf der Blockchain können anonym sein.
Unsere Lösung: DAO als Beirat
onchainaustria vereint das österreichische Vereinswesen mit einer dezentralen Governance-Ebene. Rechtsträger ist der gemeinnützige Verein, dessen Organe — Generalversammlung und Präsidium — durch eine externe DAO als Beirat ergänzt werden. Die DAO erstellt Vorschläge (Proposals) und stimmt darüber ab, das Präsidium führt diese Entscheidungen aus und unterwirft sich der DAO, sofern sie im Rahmen des Vereinszwecks liegen und rechtlich zulässig sind. Das Präsidium behält sich ein Vetorecht vor, um rechtswidrige oder zweckentfremdende Beschlüsse zu verhindern.
Tokenhalter in der DAO sind keine ordentlichen Vereinsmitglieder, da dies nicht praktikabel wäre. Sie können jedoch ordentliche Mitglieder werden, wenn sie eine bestimmte Menge OCA-Token für mindestens ein Jahr in einem Smart Contract sperren (ohne Stimmkraft-Einschränkung) und dafür ein Membership-NFT minten und dem Verein ihre Personendaten melden. Dieses NFT dient als geschäftsjährliche Vereinsmitgliedschaft und verleiht Stimmrecht in der Generalversammlung. Regelmäßige Generalversammlungen nach Vereinsrecht bieten darüber hinaus die Möglichkeit, das Präsidium zu wählen und es bei groben Fehlverhalten gegenüber DAO-Entscheidungen abzuwählen.
Beirat (DAO) — Präsidium (Präsidenten &Co)— Generalversammlung (ordentliche Mitglieder)
DAO-Governance in Aktion
Die DAO nutzt ein Proposal-System gemäß dem im Whitepaper definierten Workflow: Offchain Pre-Proposal-Diskussionen (z. B. auf Discord) gehen onchain Abstimmungen mit OCA-Token voraus. Eingereichte Vorschläge durchlaufen eine siebentägige Abstimmungsperiode. Bei ausreichender Beteiligung (10 % der umlaufenden OCA-Token) und mehrheitlicher Zustimmung erfolgt die automatische Umsetzung via Smart Contracts oder die Beauftragung des Präsidiums bzw. der ausführenden Beitragenden. Ein integriertes Delegationsmodell ermöglicht auch eine passive Teilnahme an Abstimmungen.

Fairness durch Slicing Pie auf der Blockchain
Der OCA‑Token basiert auf dem amerikanischen Pre‑Startup‑Modell Slicing Pie: Wer mitwirkt, bekommt einen Teil des Kuchens. Zeit, Kapital, Expertise oder Infrastruktur fließen in einen dynamischen Modell ein, aus dem Governance‑Anteile in Form von OCA‑Token vergeben werden. So schaffen wir ein faires und transparentes Fundament für alle.
Jede Mitwirkung für den Verein wird über das Slicing‑Pie‑Modell bewertet, als Proposal eingereicht und — wenn die DAO diesen Beitrag bestätigt — führt ein anschließendes Rebase‑Event zur Neuverteilung der OCA‑Anteile.
OCA‑Token: Rebase‑Mechanismus
OCA‑Token wurden initial an Mitglieder verteilt und können nun ausschließlich über DAO‑Proposals umverteilt werden. Dabei werden nie neue Token erschaffen, sondern jeder Halter überträgt vollautomatisch proportional Anteile an die Entität, die den Beitrag für den Verein tätigt. Es verschieben sich also nur die Token. Die Gesamtversorgung bleibt konstant bei 100 Mio. OCA‑Token. Diese sind nicht frei transferierbar oder handelbar — nur über DAO‑Proposal können sie neu verteilt werden.

Jedes Rebase‑Event ist onchain nachvollziehbar und auditierbar. Die finale Kontrolle liegt beim Kollektiv: Rebase‑Events können einzig durch erfolgreiche DAO‑Proposals initiiert werden.
Wirtschaftliche Teilhabe: Der BOCK‑Token

Der BOCK‑Token fungiert als frei handelbare Wrapped‑Version des OCA, der nur durch ein selbstständiges Wrapping (verpacken) in einem Wrapping-Contract entsteht, der vom DAO kontrolliert wird. Durch das Wrappen verliert er seine Voting Power, wird aber transferierbar und kann dadurch frei auf der Blockchain genutzt werden (z.B. in DeFi). Durch Unwrappen kann er wieder in OCA und Stimmrechte zurückgewandelt werden. Man entgeht dadurch aber keinem Rebase-Event da dieses die Wechselrate (OCA/BOCK) verändert. Das ermöglicht es anderen Nutzern, BOCK in Liquiditätspools auf DEXes zu legen und tauschbar mit anderen Kryptowerten zu machen. Dies ergibt eine freie Marktdynamik und Wertbildung.

Tokenhalter der DAO können so ihr Mitwirken im Verein wandeln und in andere Werte tauschen. Gleichzeitig ermöglicht BOCK den Zugang durch außenstehende zur DAO und zur aktiven Mitwirkung, z.B. um Proposals zu erstellen und mitzustimmen.
Zudem ermöglicht die BOCK-Komponente, dass der Verein erwirtschaftete Erlöse in BOCK‑Token umwandelt und diese durch einen Burn-Mechanismus zerstört. Dadurch fließt ökonomische Energie zurück in den Token und berechtigt Mitwirkenden, für ihre Aufwände ökonomisch kompensiert zu werden, indem sie freiwillig ihre Stimmrechte (OCA) in der DAO abgeben und gegen andere Krypto-Werte tauschen.
Wir haben so ein System erschaffen, das eine komplett frei zugängliche und frei verlassbare Zusammenarbeit von freiwilligen Mitwirkenden zu einem Vereinszweck ermöglicht und alle Mitwirkenden dynamisch nach eigenem Ermessen kompensiert.
Von Whatsappgruppe zum Node Operator: Unsere Geschichte

onchainaustria entstand aus einer kleinen WhatsApp-Gruppe von Krypto-Enthusiasten. Erste Mitglieder betrieben privat Ethereum-Nodes und tauschten sich darüber aus, wie man Ressourcen bündeln kann. 2022 entschieden wir uns, gemeinsam eine Node über einen Verein zu betreiben, um Aufwand und Kosten zu teilen. Vereinsmitglieder nutzen die Node, um Ethereum zu staken. Man arbeitete zusammen, meist remote, mal aber auch physisch.
Mit der Zeit professionalisierten wir den Betrieb auf technisches Enterprise-Level und erweiterten unsere Community. Eine Website mit Ressourcen und Social-Media-Auftritt wurde eingerichtet. Zudem wurden weitere Staking-Services anderer Blockchains (STRK, NYM, DOT und bald UNI) hinzugefügt. Zur fairen Beteiligung integrierten wir früh das Slicing‑Pie-Modell.
Über die Tokenisierung des Vereins hoben wir dieses Modell auf die nächste Stufe — ins Web3.
Unser Vereinszweck
Der Zweck unseres Vereins ist die Förderung und Erhaltung der Dezentralisierung von Blockchain-Netzwerken und anderen Distributed-Ledger-Technologien. Dazu gehört ein wichtiger Bildungsauftrag gegenüber der Bevölkerung, um ein breites Verständnis und die Unterstützung für diese zukunftsweisenden Technologien zu gewährleisten.

Ein besonderer Fokus liegt auf Proof-of-Stake-Systemen, in denen die Dezentralität eines Netzwerks wesentlich von einer Vielzahl unabhängiger Node-Betreiber abhängt. Um dieses Betreiben zu ermöglichen, sind sowohl die notwendige Infrastruktur (Hardware und Software) als auch ein ausreichender Stake (Coins) erforderlich. Durch die Kombination von gemeinschaftlich bereitgestellter Infrastruktur und Stake schaffen wir mit unserer Community eine Grundlage, die es unseren Mitgliedern ermöglicht, aktiv an der Dezentralisierung teilzunehmen.
Node-Betrieb als gemeinnütziger Beitrag
onchainaustria betreibt gemeinsam mit der Community Validatoren für Netzwerke wie Ethereum, Starknet, Polkadot und Nym. Dabei sorgt unser Verein für Hardware, Software und Wartung, während die Beteiligten ihre Coins sicher in non-custodial Verträgen staken (kein Vermögensverwaltung). Die dabei erzielten Erträge fließen direkt in den Vereinszweck und werden nicht zur Gewinnerzielung verwendet, sondern dienen als faire Kompensation für den Aufwand aller Mitwirkenden über das BOCK-System.
Ausblick:
Digitales Vereinserlebnis
onchainaustria treibt als Verein die vollständige Digitalisierung einer juristischen Person voran. Unser Ziel ist, die Anmeldung als ordentliches Mitglied über Web3-Identitätssysteme wie WorldID oder Ethereum-Attestation-Services zu ermöglichen. Generalversammlungen und Präsidiumswahlen sollen völlig online und onchain stattfinden. Der Verein wird papierlos, alle Prozesse sind onchain auditierbar.
Ein neues Organisationsmodell für Europa
Dieses Modell ist ein Vorreiter für Vereine und andere juristische Personen: Durch MiCA wurde eine regulatorische Basis geschaffen, auf der dezentrale Governance aufbauen kann. Unser Ansatz ist wirtschaftlich effizient, offen zugänglich und ermöglicht es Menschen und Organisationen, remote, fair und unter klaren Regeln zusammenzuarbeiten an einem gemeinsamen Zweck und Ziel.
Wir laden andere Initiativen ein, unsere Lehren zu adaptieren — für ein dezentrales, transparentes Vereinswesen in Europa.
von onchainaustria.at
Disclaimer: Die Artikel von onchainaustria dienen ausschließlich Bildungs- und Informationszwecken. Alle Analysen, technischen Einblicke oder Darstellungen zu Krypto-Protokollen und ‑Technologien sind rein informativ und stellen keine Finanzberatung, Anlageempfehlung oder Preisprognose dar. Unsere Inhalte spiegeln lediglich unsere Sichtweise auf technische Aspekte wider und sollten nicht als offizielle Finanzberatung verstanden werden. Keine Haftung für finanzielle Entscheidungen.
latest posts
TEILEN MIT
- Klicke, um auf X zu teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) X
- Klick, um auf Facebook zu teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) Facebook
- Klick, um auf LinkedIn zu teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) LinkedIn
- Klicken, um auf WhatsApp zu teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) WhatsApp
- Klick, um auf Reddit zu teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) Reddit
- Klicken, um auf Telegram zu teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) Telegram